Details Turmfalke

 

Turmfalke Falco tinnunculus

Kennzeichen:

Geschlechtsreife (adulte) Turmfalken unterscheiden sich deutlich in der Gefiederzeichnung:

 

Turmfalkenmännchen

 

Der Kopf der Männchen ist hellgrau, der Rücken rotbraun mit kleinen schwarzen, z. T. rautenförmigen Flecken. Oberschwanzdecken, Hinterrücken und Stoßfedern sind ebenfalls hellblaugrau, wobei das Stoßende eine deutlich schwarze Endbinde mit einem weißen Saum aufweist. Die Unterseite ist cremefarben, leicht gestreift, Unterbauch und Unterflügeldecken fast weiß. Flügelspitzen braunschwarz.

 

Turmfalkenweibchen

 

Das adulte Weibchen ist einheitlich rotbraun, die schwarze Zeichnung auf dem Rücken deutlicher und quergestreift bzw. -gefleckt. Der braune Schwanz ist mit mehreren Querstreifen und einer deutlichen Endbinde versehen. Die Unterseite ist dunkler als beim Männchen und deutlicher gefleckt. Ein schmaler dunkler Bartstreifen ist angedeutet.

Jungvögel ähnlich wie Weibchen: Rücken zwar quergebändert, doch Zeichnung nicht so scharf abgegrenzt (Federsäume der deckenden Federn lichter).

Die Spitzen der Handschwingen besitzen bei Jungvögeln helle Säume, und die Flügel sind runder und kürzer als bei Altvögeln. Insgesamt wirkt der Turmfalke spitzflüglig mit einem langen Stoß, der sich zum Ende hin verjüngt.

Das Männchen wiegt ca. 200 g, das Weibchen ca. 260 g. Während der Gewichtsunterschied relativ deutlich ist, unterscheiden sich die Körperlängen nicht so augenfällig: Männchen messen 34,5 cm und Weibchen 35,7 cm.

Die Wachshaut und Augenring sind bei adulten Tieren gelb, bei Jungvögeln hellblau bis grüngelb.

Die Laute am Brutplatz sind zarte zwrieh-Zwrieh-Rufe (Lockrufe ), scharfe zick-zick-zick-Laute und grelle kikikik-Rufreihen.

Verbreitung:

Seine Verbreitung erstreckt sich über ganz Europa, Nordafrika und Afrika südlich der Sahara und über große Teile Asiens. Bei uns ist er der zweithäufigste Greifvogel (der Mäusebussard ist der häufigste). Die Bestände schwanken stark in Abhängigkeit von Witterung und Nahrungsangebot (Massenwechsel der Feldmaus).

Bruthabitat:

Beim Turmfalken kann man im Prinzip zwei Habitate unterscheiden. Einerseits ist er ein Vogel der offenen Agrarlandschaft, wo er in Krähennester von Feldgehölzen, Scheunen, Einzelgehöften, Felsen und Nistkästen brütet, andererseits lebt er in einer reich bebauten Stadtlandschaft, mit Nistplätzen in Kirchen, Türmen, Industrieanlagen und in Dachluken von Siedlungshäusern. Grundsätzlich benötigt er aber zum Jagen freie Flächen mit niedrigem Bewuchs. Jagd und Bruthabitat brauchen nicht identisch zu sein („Stadtfalken“ fliegen bis zu 5 km zu ihren Jagdplätzen).

Beutespektrum/Jagdverhalten:

Die Hauptnahrung sind kleine Säugetiere – Wühlmäuse, Spitzmäuse, Maulwürfe. Insbesondere schwanken die Turmfalkenbestände in Mitteleuropa durch eine enge Abhängigkeit von dem Massenwechsel der Wühlmäuse, wobei klimatische Bedingungen (kalte feuchte Frühsommer verringern, warme trockene fördern den Bruterfolg) auch einen gewissen Einfluß haben. Bei Verknappung der Wühlmausbestände werden verstärkt Jungvögel, Reptilien (Eidechsen), Insekten (Heuschrecken, Käfer u. a.) gegriffen. Ausgeflogene Jungfalken bevorzugen die Insektenjagd, bevor sie auf Säuger „umsteigen“.

 

Fürs 2. Ei eine Eidechse zur Belohnung

 

Gejagt wird aus dem Rüttelflug (Rüttelfalke), eine hochspezialisierte Form des Ruderfluges, bei dem der Falke, nachdem er eine Weile in der Luft „gestanden“ hat, in einem Stoßflug, der kurz vor dem Boden abgefangen wird, auf die entdeckte Beute stürzt, sowie aus dem Ansitz von Weidenpfählen, Telegraphenmasten und Ästen.

Die vor allem bei stärkerem Wind energetisch aufwendige, aber eher erfolgversprechende Rüttelflug-Jagd wird im Sommer 5- bis 6mal häufiger angewendet als die mit geringerem Beuteerfolg verbundene Ansitzjagd. Dennoch kann der Turmfalke sich auch im Winter bei leichtem Sturm das Rütteln leisten, da er ein Energiesparverhalten entwickelt hat. Während der Kopf immer auf ein und derselben Stelle bleibt, läßt er seinen Körper innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde nach hinten gleiten (quasi Segelflug, der keine Energie kostet) und streckt dabei den Hals maximal, um dann mit Flügelschlägen wieder aktiv nach vorne zu fliegen, bis der Hals jetzt wieder maximal gekrümmt ist. Diese „Hin- und Herbewegung“ bringt einen Energiegewinn gegenüber kontinuierlichem Rütteln von 44 %.

Da ferner Turmfalken Urinspuren von Mäusen auf den Feldern sehen (Urin reflektiert UV-Licht, und das können sie sehen), wird verständlich, daß sie nicht einfach zufällig bestimmte Jagdgebiete aufsuchen, sondern dort rütteln, wo sie die meisten Urinspuren der Mäuse erkennen.

Brutbiologie:

Die Geschlechtsreife tritt mit einem Jahr ein. Turmfalken leben in der Regel monogam, möglicherweise existiert Dauerehe (Polygynie und Polyandrie soll beobachtet worden sein). Der Brutzyklus beginnt im März. Dann werden die Territorien besetzt, wenn die Vögel verstrichen oder Weggezogen waren, bzw. die Reviere verteidigt, wenn die Paare den Winter am Brutplatz verbracht haben. Unter günstigen Nist- und Nahrungsbedingungen kann es auch zur Koloniebildung kommen. Als Horstbezieher nehmen sie neben „natürlichen“ Nestern von Krähen und Elstern auch Mauernischen, Lüftungsrohre in Schornsteinen, Scheunen und Nistkästen u. a.

Der mittlere Legetermin ist Mitte April, doch kann bis in den Mai hinein gelegt werden.

Gelegegröße:

4 bis 6 (im Mittel 6), auf gelblichem Grund mehr oder weniger rotbraun gefleckte und getupfte Eier werden in einem Abstand von 2 Tagen gelegt, und vom vorletzten Ei ab bebrütet. (Als Faustregel gilt, daß bei Falken unabhängig von der Zahl vom vorletzten Ei an gebrütet wird – bei Nachgelegen in der Regel vom ersten.)   Wie bei vielen Greifvögeln herrscht auch beim Turmfalken Arbeitsteilung: Das Männchen versorgt das brütende Weibchen und die Jungen mit Nahrung. Da die Weibchen schon vor der Eiablage gefüttert werden, legen Weibchen erfolgreich jagender Männchen eher und durchschnittlich mehr Eier als Weibchen, die mit Männchen verpaart sind, die eine schlechte Jagdausbeute haben. Verbessert sich das Jagdverhalten der „schlechten“ Männchen auch während der Brut nicht, verlassen die Weibchen das Gelege, denn sie nehmen an Gewicht ab, da der Energieverlust durch das Brüten höher ist als die Energie, die sie über die Nahrung bekommen.

 

 

Die Brutdauer beträgt 29 Tage, die Nestlingszeit 30 Tage. Entsprechend lange ist auch die Bettelflugperiode, in der die Jungfalken bis zum Selbständigwerden von den Eltern versorgt werden. In Abhängigkeit von dem Massenwechsel der Wühlmäuse und Klima schwankt die Fortpflanzungsrate zwischen 2,28 und 4,49 Junge pro Paar und Jahr. Während von den Einjährigen nur 40% das zweite Lebensjahr erreichen, also 60 % sterben, sind es in den folgenden Jahren nur noch ca. 45% und für das dritte Jahr 34 %, die sterben.

 

6 Eier mit Männchen

 

Wanderungen:

Turmfalken sind von Nord-/Nordosteuropa bis Südeuropa Zug-, Strich- und Standvögel. Mitteleuropäische Populationen bleiben z.T. ganzjährig in der Brutheimat. Zugvögel kehren aus den Winterquartieren, die bis Zentralafrika reichen können, im März zurück, während die Hauptzugzeit in Europa im Herbst in den Monaten September-Oktober liegt. Oft verstreichen oder ziehen auch nur die Jungvögel oder Weibchen. In Deutschland überwintern auch skandinavische Vögel.

Der Bestand in Deutschland wird auf 34 000 geschätzt. Als ausgesprochener Kulturfolger nutzt der Turmfalke Nist- und Jagdmöglichkeiten in der Nähe des Menschen.

Als Elstern und Krähen noch grundsätzlich ganzjährig geschossen werden durften, gab es auch Verluste beim Turmfalken, der beim Ausschießen der vermeintlichen „Krähennester“ schon brütete und im Abstreichen versehentlich geschossen wurde. Derzeit besteht von dieser Seite keine Gefahr mehr für ihn.

Durch das Anbringen von Nistkästen können für ihn zusätzlich Biotope nutzbar gemacht werden (z. B. baum- und strauchlose Polder in Küstennähe). Die natürliche Mortalität ist aber sehr hoch. Im Jahresverlauf können drei „Todesgipfel“ beobachtet werden: Zum einen im Januar und Februar, wenn die Vögel (juv. und ad.) durch die Witterungsbedingungen verhungern können, zum anderen im Juli, wenn ein Teil der Jungen verunglückt, und drittens im Oktober, wenn einige Jungvögel nicht den Übergang von der Elternversorgung zum Selbständigwerden geschafft haben. Die Siedlungsdichten schwanken in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot zwischen 3 und 90 Paaren pro 100 km².

aus: “Greifvögel – Biologie , Ökologie , Bestimmen , Schützen” von Walter Bednarek  Landbuch Verlag

Mit freundlicher Genehmigung des Autors

©Fotos: Ines & Matthias Küstermann, Ludwig Schlottke

 

Erhältlich zum Preis von 25,50 € hier

Allen Greifvogelfreunden wärmstens zu empfehlen!

Hier finden Sie unseren aktuellen Turmfalkenflyer zum Download als PDF

 

 

© 2015 – 2017 Turmfalken St. Nikolai Spandau

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